Insolvenzen setzen Lieferketten unter Stress
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist zur Jahresmitte 2025 auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen, wobei die Fälle insgesamt rund 21 Prozent über dem bisherigen Rekordjahr 2024 liegen. Besonders hart trifft es die Automobilzulieferer: In den Jahren 2024 und 2025 wurden in Deutschland zusammen über 100 Insolvenzen von Zulieferern mit mehr als 10 Millionen Euro Umsatz registriert, davon allein 59 Fälle im Jahr 2025. 1
Für viele OEMs und Tier‑1‑Zulieferer ist ein Lieferantenausfall im Spritzguss kein theoretisches Szenario mehr, sondern gelebter Alltag – mit unmittelbaren Folgen für Produktionsanläufe, Aftermarket-Versorgung und Vertragsstrafen. 2
Kunststoffbranche zwischen Kosten, Regulierung und Wettbewerb
Parallel dazu steht die kunststoffverarbeitende Industrie in Deutschland massiv unter Druck: 2023 wurden rund 8,5 Prozent weniger Kunststoffe verarbeitet als 2021, obwohl die internationale Nachfrage insgesamt wächst. Hohe Energie- und Produktionskosten, ein häufig wechselnder regulatorischer Rahmen sowie steigende Bürokratielasten bremsen Investitionen in moderne Anlagen und Kreislaufwirtschaft. 3
Branchenverbände kritisieren zusätzlich eine unausgewogene Regulierung, hohe Energiekosten und geopolitische Risiken, die die Wettbewerbsfähigkeit der Kunststoffindustrie in Deutschland belasten. Gleichzeitig drängen Hersteller aus Ländern mit deutlich günstigeren Produktionsbedingungen verstärkt auf den europäischen Markt. 4
Konkrete Fälle zeigen die Dimension
Wie konkret das Risiko ist, zeigt der Fall eines großen deutschen Automobilzulieferers für Kunststoffteile, der Ende 2025 Insolvenz anmelden musste und insgesamt rund 1.258 Mitarbeitende beschäftigte. Im Zuge der Sanierung wurde das Unternehmen zwar teilweise verkauft, doch mindestens 375 Mitarbeitende verloren ihren Arbeitsplatz und ein kompletter Standort wurde geschlossen. 5
Für die Kunden bedeutet ein solcher Einschnitt nicht nur die Suche nach einem neuen Lieferanten, sondern vor allem die Frage: Wo sind meine Werkzeuge, in welchem Zustand befinden sie sich – und wie schnell kann ich die Produktion wieder stabilisieren? 6
Einkauf 2026: Resilienz statt reinem Preisfokus
Studien zum Mittelstand zeigen, dass Einkauf und Supply Chain längst vom Kostenblock zum strategischen Steuerungszentrum geworden sind. Laut dem „Einkaufsbarometer Mittelstand 2025“ sehen knapp 89 Prozent der befragten Unternehmen die schnelle Integration neuer Lieferanten als zentralen Wachstumstreiber. Gleichzeitig erkennen über 80 Prozent im Lieferantenmanagement den größten Digitalisierungsbedarf, während fast die Hälfte ihre Systeme als unzureichend für professionelles Risikomanagement einstuft. 7
Parallel dazu betonen Mittelstandsverbände, dass Unternehmen in den letzten Jahren mehr Disruption in ihren Lieferketten erlebt haben als in den zwei Jahrzehnten zuvor, und dass gesicherte Rohstoff- und Warenquellen heute ein zentraler Wettbewerbsfaktor sind. Supply-Chain-Experten heben hervor, dass Resilienz vor allem auf drei Säulen beruht: systematische Lieferantenentwicklung, langfristige Partnerschaften und belastbare Rahmenverträge. 8
Der blinde Fleck: Werkzeuge in der Krise
In vielen Risikomanagement-Konzepten ist die Sicht auf Lieferanten, Transportwege und Materialien gut entwickelt – der physische Werkzeugbestand bleibt jedoch oft ein blinder Fleck. Werkzeuge sind kapitalintensiv, individualisiert und häufig über Jahre historisch gewachsen – mit verstreuten Standorten, unvollständiger Dokumentation und fehlender Transparenz über Zustand und Wartungshistorie.
Kommt es zur Insolvenz eines Spritzguss-Partners, entscheiden Tage darüber, ob OEMs und Tier‑1‑Zulieferer ihre Lieferfähigkeit halten können oder in Lieferverzug geraten. In dieser Phase sind Fragen wie Werkzeugzugang, technische Bewertung, rechtliche Klärung und ein schneller Re-Start der Produktion entscheidend für die Stabilität der gesamten Lieferkette. 9
Szenario aus der Praxis: Wenn der Spritzguss-Partner über Nacht wegbricht
Stellen wir uns ein typisches Szenario aus der Automotive-Welt vor: Ein mittelständischer Spritzguss-Zulieferer, der sicherheitsrelevante Innenraumkomponenten liefert, meldet Insolvenz an. Die Werkzeuge stehen in verschiedenen Werken, die Produktion läuft nur noch eingeschränkt, und der Insolvenzverwalter priorisiert Liquidität – nicht Versorgungssicherheit. 10
Der OEM steht vor mehreren Herausforderungen: Transparenz über alle aktiven Werkzeuge herstellen, Eigentumsverhältnisse klären, technische Daten und Wartungszustände sichern und möglichst schnell eine alternative Fertigung aufbauen. Jede Woche Verzögerung kann zu Bandstillstand, Vertragsstrafen und Schaden an der eigenen Marke führen. 11
Werkzeugsicherheit als strategischer Hebel für Resilienz
Wer diese Risiken proaktiv adressiert, macht Werkzeugsicherheit zu einem strategischen Hebel im Risikomanagement. Dazu gehören ein systematisches Werkzeugregister, klare Eigentumsnachweise, definierte Eskalationsszenarien für Krisenfälle und die vertraglich geregelte Möglichkeit, Werkzeuge bei Bedarf schnell zu verlagern.
In der Praxis hat sich ein mehrstufiger Ansatz bewährt: Erstens Transparenz schaffen (Inventarisierung, Klassifikation nach Kritikalität), zweitens technische Bewertung (Zustand, Reststandmenge, Wartungsbedarf), drittens Notfallpläne definieren (Second Source, Verlagerungskonzepte, Zeitachsen) und viertens passende Partner einbinden, die im Ernstfall kurzfristig übernehmen können. 12
Wie spezialisierte Partner die Lücke schließen
Genau hier kommen spezialisierte Dienstleister ins Spiel, die sich auf die Übernahme von Werkzeugen aus Krisensituationen, die technische Ertüchtigung und den schnellen Wiederanlauf der Serienproduktion fokussieren. Solche Partner kombinieren idealerweise Formenbau-Kompetenz, Spritzguss-Know-how und ein durchgängiges Projektmanagement – von der Werkzeuganalyse über Bemusterung und Serienanlauf bis hin zu Lager- und Logistikkonzepten für den Aftermarket.
Für Einkaufs- und Supply-Chain-Verantwortliche bedeutet dies: Resilienz entsteht nicht nur durch eine breitere Lieferantenbasis, sondern auch durch belastbare Optionen für den Fall der Fälle – insbesondere dann, wenn insolvente Lieferanten und kritische Werkzeuge im Spiel sind. 13
Care & Run als Baustein im Risikomanagement
Mit Care & Run bietet rekuplast innerhalb der Wolpert-Gruppe einen solchen spezialisierten Ansatz: Die Dienstleistung adressiert insbesondere Situationen wie Insolvenz-Verlagerungen und die Sicherung der Aftermarket-Versorgung im Spritzgussbereich. Im Fokus stehen die schnelle Sicherung und Übernahme von Werkzeugen, eine strukturierte technische Bewertung sowie die zügige Wiederaufnahme der Produktion – von kleineren Losgrößen bis hin zu Serien mit hohen Schließkräften.
Für Unternehmen aus Automotive, Industrie und verwandten Branchen fügt sich Care & Run damit als Baustein in bestehende Risikomanagement- und Resilienzstrategien ein: Werkzeuge werden nicht nur gepflegt und technisch ertüchtigt, sondern im Ernstfall auch operativ „durch die Krise getragen“ – inklusive Logistik- und Lagerkonzepten für eine stabile Aftermarket-Versorgung.
Was Einkaufs- und Supply-Chain-Teams jetzt tun sollten
Angesichts der anhaltend hohen Insolvenzzahlen bei Automobilzulieferern und der angespannten Lage der Kunststoffindustrie ist es für Einkaufs- und Supply-Chain-Teams ratsam, das Thema Werkzeugsicherheit aktiv auf die Agenda zu setzen. Dazu gehören unter anderem ein Abgleich der kritischsten Werkzeuge, eine Bewertung der Lieferantenrisiken und die Definition von Szenarien, in denen externe Spezialisten eingebunden werden sollen. 14
Wer diese Hausaufgaben jetzt macht, verschafft sich im Krisenfall wertvolle Handlungsoptionen – und signalisiert Kunden wie internen Stakeholdern, dass Lieferfähigkeit und Aftermarket-Versorgung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen stabil bleiben sollen.
Wenn Sie prüfen möchten, wie Care & Run konkret in Ihre Risikomanagement-Strategie und Ihre Werkzeugsicherheit integriert werden kann, finden Sie hier weitere Informationen:
- https://falkensteg.com/media/zulieferer-im-ueberlebenskampf ↩︎
- https://www.oliverwyman.de/unsere-expertise/publikationen/2026/march/automobilzuliefererstudie-2026-zwischen-schock-und-gestaltungsspielraum.html ↩︎
- https://www.plastxnow.de/maerkte-kunststoffproduktion-deutschland-a-3b4e0893e8d6baaaa581ec3e7dbc0967/ ↩︎
- https://www.recyclingmagazin.de/2026/04/22/wettbewerbsfaehigkeit-der-kunststoffindustrie/ ↩︎
- https://www.chip.de/news/business/deutscher-automobilzulieferer-ist-insolvent-davon-sind-ueber-1-000-jobs-betroffen_529d5437-2626-424e-bbaf-762d40530e44.html
↩︎ - https://pleiteticker.info/2026/04/18/insolventer-autozulieferer-plastic-manufacturing-verkauft-375-mitarbeiter-verlieren-job/ ↩︎
- https://www.bme.de/news/einkauf-2026-resilienz-und-digitalisierung-als-zentrale-erfolgsfaktoren-im-mittelstand/ ↩︎
- https://www.mittelstandsbund.de/presse/beitrag/markt-und-mittelstand-risikomanagement-in-der-lieferkette-so-schuetzen-sich-mittelstaendler-vor-zollkrieg-und-sabotage ↩︎
- https://falkensteg.com/media/zulieferer-im-ueberlebenskampf ↩︎
- https://www.chip.de/news/business/deutscher-automobilzulieferer-ist-insolvent-davon-sind-ueber-1-000-jobs-betroffen_529d5437-2626-424e-bbaf-762d40530e44.html ↩︎
- https://www.oliverwyman.de/unsere-expertise/publikationen/2026/march/automobilzuliefererstudie-2026-zwischen-schock-und-gestaltungsspielraum.html
↩︎ - https://kloepfel-magazin.com/interviews/supply-chain-management-herausforderungen-2026-12789/ ↩︎
- https://falkensteg.com/media/zulieferer-im-ueberlebenskampf ↩︎
- https://www.mittelstandsbund.de/alle-nachrichten/markt-und-mittelstand-risikomanagement-in-der-lieferkette-so-schuetzen-sich-mittelstaendler-vor-zollkrieg-und-sabotage ↩︎